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INTERVIEW MITHANNES HELMKE.


Lieber Hannes,

Du bist Plastiker und Bildhauer, wie Du Dich selbst bezeichnest, und hast schon viele verschiedene Werke kreiert. Im Sommer bist Du auf Spiekeroog und dort entstehen eigentlich alle deine Skulpturen.

Die Sommermonate auf Spiekeroog waren mir die letzten Jahre sehr wichtig, und ich war immer etwa 3 Monate auf der Insel von Anfang Mai bis Ende Juli. Dort sind alle Kleinplastiken entstanden, die jeweils die Ideengeber der großen Arbeiten sind, die dann im Kölner Atelier entstehen. Leider schaffte ich es in den letzten Jahren nicht mehr, die vollen 3 Monate auf der Insel zu sein, da ich immer wieder in der Gießerei vor Ort sein muss, um die Umsetzung meiner Arbeiten in Bronze zu begleiten.

Was inspiriert Dich?

Der Mensch in seinem Sein… also das sich selbst sein in diesem Körper auf dieser Welt.


Was macht für Dich dein Arbeitsumfeld aus?

Ich brauche einen Wohlfühlort, ein Zuhause, um gut arbeiten zu können. Das ist im Sommer auf der Insel, da habe ich dann die nötige Ruhe, um an den Kleinplastiken zu arbeiten, die viel Konzentration einfordern. Aber in Köln in meinem Atelier in der Südstadt ist solch ein Ort. Ich habe das Glück, dort im Hinterhof eine alte Werkstatt gefunden zu haben, die ich mir ganz nach meinen Bedürfnissen habe einrichten können. Ein Ort mit viel Atmosphäre.


Und warum eigentlich Spiekeroog?

Das ist ein Zuhause, schon als Kind habe ich dort mit meinen Eltern und Geschwistern die gesamten Sommerferien verbracht. Spiekeroog ist ein besonderer Ort. Die autofreie Insel ist ein perfekter Ort, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. Ich kenne dort jeden Grashalm und dennoch ist immer alles neu. Nirgendwo habe ich so viel Zeit.


Plastiker und Bildhauer, was bedeutet das für Dich?

Wenn man es genau nimmt, bin ich Plastiker, und kein Bildhauer. Der Bildhauer haut, wie der Name so schön sagt, er arbeitet abtragend. Als Plastiker modelliert man, also auftragend. Die meisten klassischen Bildhauer tun beides, ich habe mich allerdings komplett auf die Plastik konzentriert. In meiner Lehre als Holzbildhauer und im Studium habe ich auch noch bildhauerisch gearbeitet, aber es reizt mich nicht. Ich bin dabei durch die Materialien zu sehr eingeschränkt. In der Plastik kann ich mich uneingeschränkt verwirklichen. Klar, es ist immer ein Kampf mit der Schwerkraft, aber über die Jahre entwickelt man so seine Techniken dieser zu trotzen.


Du hast bereits viele verschiedene Skulpturen geschaffen in den unterschiedlichsten Größen. Welche ist von allen deine liebste Skulptur?

Frag eine Mutter nach ihrem Lieblingskind… Alle natürlich!

An welchen Orten kann man deine größeren Kunstwerke bestaunen?

Oj je, verschieden. Ich denke, die bekannteste Arbeit steht natürlich auf Spiekeroog, der Utkieker. Aber auch noch an anderen Orten kann man Arbeiten im öffentlichen Raum sehen. Im Bergischen Wipperfürth und in Lingolsheim im Elsass, seit September 2021 eine große Arbeit in Fürth und auf Mallorca.

Ich glaube an dieser Stelle fragt sich hier jeder, wie viel Zeit es für eine Skulptur braucht, von der Idee über die Herstellung bis hin zur Fertigstellung. Vielleicht kannst Du hier zwischen den kleinen und großen Plastiken unterscheiden.

Das ist schwer zu sagen. Wenn ich eine Idee habe, setze ich diese recht schnell um. Dafür wird erst ein Gerüst aus Baustahl geschweißt und dann modelliert. Wenn die Originalarbeit in Wachs oder Plastilin entstanden ist, ist noch eine Menge Arbeit, die getan werden muss, bis die fertige Bronzeplastik in die Ausstellung kommt. Es muss eine Silikon Gips Negativform gefertigt werden, mit dieser wird wiederum ein Wachs Positiv erstellt. Das wird benötigt, um die Gussform für den Bronzeguss herzustellen. Dabei wird die Wachsform in Schamott eingegossen und gebrannt. Beim Brennen fließt das Wachs aus der Form und damit entsteht die eigentliche Negativform für die Bronze, die bei1200 Grad gegossen wird. Nach dem Guss, wenn die sog. Schamottform abgeschlagen wurde, muss die Bronze gesandstrahlt werden und danach ziseliert. Größere Arbeiten werden in Segmenten gegossen, die anschließend verschweißt werden müssen. Danach patiniert und der passende Sockel muss auch noch gefertigt werden. In Stunden habe ich das noch gar nicht gezählt.


Welche Materialitäten setzt Du ein und warum?

Ich modelliere ausschließlich in Wachs (die Kleinplastiken) und Plastilin. Die Umsetzung ausschließlich in Bronze. Warum… Wachs und Plastilin behält nach dem Modellieren die Form bei, es gibt keine Schrumpfung wie bei Ton, was man nur verhindern kann, in dem man die Figur immer feucht hält und einpackt, das stört mich beim Arbeiten. Ich habe die Arbeiten, die ich gerade mache, gerne immer im Blick und das ist bei in Ton gefertigte Arbeiten nicht möglich.


Bei den Plastiken fallen sofort bestimmte Merkmale auf: übergroße Füße und Hände oder die schmalen Körper und meistens sind es Männer. Welche Bedeutung steht dahinter?

Ich arbeite nicht konzeptionell, sondern sehr aus der Intuition heraus. Das heißt, ich habe mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht, ob ich die Füße und Hände besonders groß darstelle. Dass die Figuren so aussehen wie sie aussehen, ist über die Jahre entstanden, weil sie für mich so aussehen müssen, so stimmt alles. Sie entwickeln sich immer ein bisschen weiter, aber im Großen und Ganzen habe ich zu einer „Sprache“ gefunden, die sehr erkennbar ist und für mich perfekt. Also erzähle ich in dieser Sprache meine „Geschichten“.

Dass ich eher Männer darstelle, kommt daher, weil die Figuren immer mein inneres Ich abbilden. Da ich selbst in einem männlichen Körper stecke, kann ich mich im männlichen Körper gut ausdrücken. Die weiblichen Figuren sehe ich mehr als mein Gegenüber. Von daher ist die Darstellung der Frauenfiguren immer viel ruhiger als die männlichen Figuren. Natürlich hat die Überzeichnung der Figuren letztendlich eine Bedeutung, also die großen fein ausgearbeiteten Füße stehen dafür, dass es mir um den Menschen im Hier und Jetzt geht. Ein Mensch zu sein in einem Körper auf der Erde. Die Hände symbolisieren das Handeln. Die Ohren machen die Figuren aufmerksam und interessiert an ihrer Umwelt. Dass sie nackt sind und keine Haare haben, steht für etwas Zeitloses. Also ganz reduziert auf den Menschen… egal ob er jetzt vor100 oder gar vor 10.000 Jahren gelebt hat… ich glaube, wir hatten letztendlich immer ähnliche Bedürfnisse und Wünsche. Dass ich keine Gesichter darstelle bedeutet, dass ich nicht porträtieren möchte. Es geht mir nicht um Persönlichkeiten. Ich möchte damit jedem die Möglichkeit geben, sich sein eigenes Gegenüber zu schaffen, oder sich selbst in die Figur einzufühlen. Aber für all das habe ich mir kein Konzept gemacht und die Figuren dahin gehend entwickelt, sondern wenn ich die Figuren anschaue, wird mir klar, was ich eigentlich zeigen will.






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